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Am 06.02.1998 rammte ein Bus Falcos Geländewagen an einer Kreuzung der Dominikanischen Republik. Der Sänger war sofort tot. 4.000 Fans erwiesen Falco auf dem Wiener Zentralfriedhof die letzte Ehre. Sein Grab mit dem Standort „Gruppe 40, Nummer 64“ ist zur Pilgerstätte für Fans aus der ganzen Welt geworden.

“Ja, ich bin schon dort gewesen”, so Alexander Kerbst, Hauptdarsteller des Musicals, in einem Interview aus dem Jahr 2019.

Im Rahmen der Aufführung von „FALCO-Das Musical“ 2020 im Audimax Regensburg hatten wir die Gelegenheit mit ihm über die Person Johann Hölzel, genannt FALCO, aber auch die eigene Karriere zu sprechen.

Zur Person Johann „Hans“ Hölzel – genannt FALCO

Popschlager Aktuell: „Lieber Alexander, unter seinem Künstlernamen FALCO, seinem ‚Alter Ego‘, hatte es Hans Hölzel zu Weltruhm gebracht. Ein oft zitierter Satz von Falco lautet: ‚Unsterblich bin ich erst, wenn ich tot bin‘. Siehst Du dies im Jahr 2020 immer noch so? Ist Falco erst nach seinem Tod zur Legende geworden?“

Alexander Kerbst: „Das Zitat von Falco ‚Unsterblich bin ich erst, wenn ich tot bin‘ hat er wirklich gesagt. Aus welcher Laune heraus er allerdings diese Worte gesprochen hat, lässt sich nur schwer nachweisen. Ich denke aber sehr wohl, dass sich Falco bewusst gewesen ist, dass ein toter Künstler schneller zur Legende werden kann als einer, der ewig lebt. Diese Tatsache haben wir u.a. bei Michael Jackson erlebt, sodass man durchaus davon ausgehen kann, dass Hans Hölzel diesen Ausspruch ernst gemeint hat. – Falco ist nicht zuletzt deswegen zu einer Ikone geworden, weil er so früh gestorben ist, denn sein letztes Album, was erst ‚post mortem‘ (deutsch: ‚nach dem Tod‘) erschienen ist, mit ‚Out of the dark‘ und dem berühmten Satz ‚Muss ich erst sterben, um zu leben‘ hat diesen Mythos ein Stück weit begründet. Ob der Tod von Falco ein Suizid gewesen ist oder ein lapidarer Unfall, kann im Nachhinein nur sehr schwer rekonstruiert werden, sodass der Mythos durch dieses Nicht-Wissen weiterlebt.
Nichtsdestotrotz ist Falco einer, der seiner Zeit voraus war, indem er Maßstäbe gesetzt hat. Er hat den deutschen Rap erfunden und alle großen Rapper (‚Die Fantastischen Vier‘ und viele andere) berufen sich auf ihn und sagen, dass ohne Falco der Deutsch-Rap keinesfalls zustande gekommen wäre. Insofern war er ein Pionier, der über die Zeit der Neuen Deutschen Welle hinaus Weichen gestellt hat für eine bestimmte Pop- bzw. Musikrichtung..

Popschlager Aktuell: „Und auch noch bis zum heutigen Tag unsterblich?“

Alexander Kerbst: „Ich meine, dadurch dass wir bereits im vierten Jahr durch Deutschland, Österreich und die Schweiz touren, sieht man, dass das Interesse an Falco ungebrochen ist. Es ist tatsächlich auch zu beobachten, dass Falco-Fans nachwachsen. Wir hatten z.B. schon 14jährige Mädchen, die Autogramme haben wollten und meinten, dass sie sehr große Falco-Fans seien. Diese waren noch gar nicht geboren, als Falco schon längst tot war, sodass man davon ausgehen kann, dass er irgendwie noch weiterlebt und für viele Menschen weiterhin eine Ikone ist.
Vielleicht auch deswegen, weil er – aus meiner Sicht – der letzte Macho in diesem Popgeschäft war. Heutzutage ist vieles relativ glattgebügelt, wohingegen er sich damals noch vieles leisten konnte, was heute undenkbar ist. Er hat beispielsweise zwei Flüge nach London verpasst, um mit Leuten aus Amerika Verträge abzuschließen. Wer sich dies heute in dieser Form erlauben würde, bekäme von Seiten des Managements schnell die Meinung gesagt. Falco ist der Letzte, der beispielsweise die Leute am Set stehen gelassen hat oder, aus Unlust an einer Pressekonferenz, einfach von dieser ferngeblieben ist. Dieses Verhalten wäre heutzutage undenkbar“.

Popschlager Aktuell: „Wie und wann hast Du persönlich von dem plötzlichen Tod von FALCO am 06.02.1998 erfahren?“

Alexander Kerbst: „Ich habe vom Tod durch die Nachrichten erfahren, war zunächst etwas geschockt und dachte zunächst ‚wieder einer weg‘. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich nicht so sehr betrübt gewesen bin, da ich zu dem Zeitpunkt noch kein so großer Falco-Fan war. Natürlich kannte man die Lieder, wie z.B. ‚Jeanny‘, ‚Rock me Amadeus‘ etc., aber ich war keineswegs ein Hardcore-Fan. Ich bin erst zum Anhänger von Johann Hölzel geworden, als ich mich vor fünf Jahren mit dem Thema FALCO intensiv beschäftigt hatte und zusammen mit Steffi das Buch für das Musical geschrieben habe“.

Zum Musical „FALCO-Das Musical“

Popschlager Aktuell: „Das Musical ‚FALCO-Das Musical‘, mit dem Du heute im Audimax Regensburg zu Gast bist, geht zum inzwischen vierten Mal auf Tournee. In diesem Jahr ist das Opening das Lied ‚The Spirit never dies‘. Kannst Du kurz den Hintergrund dieses Liedes erläutern? Warum wurde es für das Musical ausgewählt?“

Alexander Kerbst: „‘The Spirit never dies‘ ist ein Song, der erst 2010 das Licht der Welt erblickt hat. Dies hängt damit zusammen, dass es bereits eine Aufnahme dieses Liedes gab, aber die Plattenfirma der Meinung war, dass Falco zunächst dem Genre Rap treu bleiben solle, also dem Sprechgesang, und somit wurde der Titel verworfen. Daraufhin wanderte das Lied zunächst in ein Studio, wo es in aller Stille gelegen hatte. Als das Studio verkauft wurde, hat man bei den Aufräumarbeiten Tonbänder gefunden, auf denen der Name FALCO stand. Schnell hörte man in die Aufnahme hinein und so wurde der alte/neue Song wiederentdeckt. Kurz darauf wurde er neu gemixt und erlangte in Österreich für eine kurze Zeit auch eine hohe Chartplatzierung ‚The Spirit never dies‘ wird heute als Jeanny-Part 3 bezeichnet. Part-1 ist der klassische Titel ‚Jeanny‘, Part-2 der Titel ‚Coming Home‘ und nun der dritte Teil mit ‚The Spirit never dies‘. Die deutsche Übersetzung ‚Die Seele stirbt nie‘ bringt auch die Besonderheit von Falco nochmals zum Ausdruck. “.

Popschlager Aktuell: „Solch ein Musical braucht – wie jedes andere Musical auch – Menschen mit kreativen Ideen, die diese auch umsetzen. Wie ist die Entstehungsgeschichte des Musicals FALCO?

Alexander Kerbst: „Die Entstehungsgeschichte des Musicals ist relativ einfach: Oliver Forster von COFO Passau, hat mich angesprochen und mir seine Idee vorgetragen, etwas über Falco auf die Bühne bringen zu wollen. Da er wusste, dass ich bereits Falco gespielt hatte und als Falco mehrfach auf der Bühne stand, fragte er, ob ich für das Musical zur Verfügung stehen würde. Schnell habe ich den Ideen zugestimmt und so haben wir uns daran gemacht, weitere Vorschläge zu sammeln und auf Papier zu bringen: Ein autobiographisches Musical, das die Geschichte von Falco anhand der Songs erzählen soll, so lautete die Vorgabe von Oliver Forster. Anhang dieser Leitidee habe ich – zusammen mit Stefanie Kock – dieses Musical entwickelt. Selbstverständlich wurden in der Probenzeit noch Feinjustierungen vorgenommen, Texte etwas verändert, ja sogar verfeinert. Im Grunde haben wir das Stück aber innerhalb von sechs Monaten aufgeschrieben. Für eine Welturaufführung ist dieser kurze Zeitraum ohnehin ein absoluter Wahnsinn, aber der Erfolg zeigt, dass es sehr gut ankommt und von den Menschen, die Besucherzahlen belegen dies, geliebt wird“.

Zur Person ALEXANDER KERBST

Popschlager Aktuell: „In erster Linie wirst Du, lieber Alexander, mit Falco in Verbindung gebracht. Allerdings verkörperst Du nicht nur Falco einzigartig auf der Bühne, sondern auch zahlreiche andere Personen. In welche anderen Rollen durftest Du persönlich als Musicaldarsteller und Schauspieler bislang schlüpfen?“

Alexander Kerbst: „Wenn ich alle Rollen, die ich bislang spielen durfte, aufzählen müsste, würde ich den Rahmen dieses Interviews sprengen. Ich bin seit nunmehr über 30 Jahren als Profi auf der Bühne, sodass man sich vorstellen kann, dass eine große Zahl an Rollen bislang zustande gekommen ist. Begonnen habe ich damals am Metropol-Theater in Berlin mit Klassischem Musical und Operette, das ich damals im Repertoire gespielt habe. Repertoire bedeutet, dass ich sieben Stücke gleichzeitig spielte und dies im täglich wechselnden Programm. ‚West Side Story‘, ‚My fair lady‘, ‚Me and my girl‘, um nur einige zu nennen.
Später kamen noch andere Stücke hinzu, wie z.B. ‚Vincent van Gogh‘ im gleichnamigen Musical oder Rudolph Moshammer im Musical ‚Daisy’s König‘. Zuletzt spielte ich bei ‚Die Päpstin‘ und ‚Ludwig2‘’in Füssen mit und in Brandenburg stehe ich noch für ‚Mein Freund Bunbury‘, einem alten DDR-Musical von Gerd Natschinski, auf der Bühne. Meine erste Begegnung mit dem Thema FALCO war, als ich im Sommer 2002 in ‚Falco meets Amadeus‘ auftreten durfte. Es ist eine Freude, dass man all diese wunderbaren Rollen spielen darf“.

Popschlager Aktuell: „Das Jahr 2020 ist noch lang. Bis ca. Ende Mai bist Du mit dem Musical FALCO unterwegs. Welche anderen Termine stehen denn außerdem noch in Deinem Kalender?“

Alexander Kerbst: „Nach dem Ende im Musical ‚Falco‘ geht es mit ‚Die Päpstin‘ und ‚Ludwig2‘ in Füssen weiter. Im Juli sind wir mit ‚Die Päpstin‘ zu Gast im Deutschen Theater München. Im September beginne ich dann wieder mit dem Stück ‚Mein Freund Bunbury‘, Folglich kommen viele Termine zusammen, bei denen es wichtig ist, dass man alle unter einen Hut bekommen kann“

Popschlager Aktuell: „Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Dir und dem ganzen Team für den weiteren Verlauf der Tournee viel Glück und Erfolg“