Die Sängerin und Schauspielerin Stefanie Kock erhielt ihre künstlerische Ausbildung am Wiener Max-Reinhardt-Seminar, u.a. bei Klaus Maria Brandauer und Samy Molcho. Im Musical spielte sie bereits zahlreiche Hauptrollen, u.a. Kony und Kommissar in „Falco meets Amadeus“. – Im Jahr 2015 veröffentlichte sie ihren ersten eigenen Roman mit dem Titel „Single sucht Cover“. Darin wirft die Autorin einen amüsanten Blick auf das Showbiz und plaudert aus dem Nähkästchen.

Während des Musicals „FALCO-Das Musical“ im Audimax Regensburg hatten wir Gelegenheit, mit Stefanie Kock über ihre Arbeit auf der Bühne sowie ihre Liebe zum Schreiben zu sprechen.

Zur Person STEFANIE KOCK

Popschlager Aktuell: „Liebe Stefanie, die Dir zugeschriebenen Berufsbezeichnungen sind vielfältig: Sängerin, Schauspielerin, Musicaldarstellerin und Autorin. In welcher dieser vier Rollen arbeitest Du am Liebsten und warum?

Stefanie Kock: „Ich würde jetzt nicht einen Beruf dem anderen vorziehen. Ich bin ein Mensch, der eher die Abwechslung liebt. Ich mag es tatsächlich sehr gerne, auf der Bühne zu stehen, aber dann auch wieder die Zeit zu haben, um mich zurückziehen zu können und zu schreiben. Dies ist eine Eigenschaft, die ich mir aus den Kindertagen bis heute bewahrt habe.

Ich habe besonders das Geschichten schreiben mit einer großen Beharrlichkeit verfolgt, da ich mich darin auch sehr autark fühlte. Im Theater bist Du nämlich auf die Crew angewiesen: Es handelt sich meistens um Dialoge, aber man benötigt für eine gute Vorstellung Licht, Ton, Bühnenaufbau usw. Das Schöne am Schreiben allerdings ist die Tatsache, dass man es völlig unabhängig machen kann. Du kannst Dir Welten ausdenken, in Welten eintauchen, die kein Geld kosten, die nicht mit teuren Kulissen verbunden sind. Was folglich die vier genannten Bereiche gemeinsam haben, ist die Fantasie, die man ausleben kann: Letztlich ist Schreiben für mich so etwas wie ‚Schauspiel im Kopf‘: Natürlich macht man es auch mit dem Herzen, aber es ist eher eine innerliche Tätigkeit. Die Schauspielerei bzw. die Bühnenfiguren in einem Musical sind für die Außenwelt bestimmt. Letztlich hat es aber den gleichen Ursprung, der mich seit Kindheit an fasziniert hat. Das Interesse lag bei mir immer darin, Geschichten, auf welche Art und Weise auch immer, zu erzählen“

Popschlager Aktuell: „War folglich das Fach Deutsch in der Schule Dein Lieblingsfach?“

Stefanie Kock: „Ja, durchaus. Allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich habe es zwar geliebt, aber ich bin gleichzeitig auch oft weiter über das Ziel hinausgeschossen. Gerade in der Grundschule gab es nämlich so gewisse Aufgabenstellungen, die das Erfinden einer Geschichte erforderten. Die angegebenen Wörter habe ich bereits in der Einleitung verarbeitet, sodass ich aus dem Endergebnis ein so großes Projekt entstehen ließ, das zu Hause vollendet werden musste.

In der Tat habe ich Deutsch in der Schule sehr gemocht, wobei es dann auf dem Gymnasium eher sachlicher und fachlicher wurde und der Rahmen für die Fantasie für mich eher begrenzter erschien, was ich sehr bedauert habe. Um diesem Umstand dann entgegenzuwirken, habe ich immer versucht, mir eine ‚Insel‘ zu bewahren, um diesen Rahmen für die Fantasie durch die Schulzeit hindurch zu retten.

Popschlager Aktuell: „Im Jahr 2015 wurde Dein Roman „Single sucht Cover“ veröffentlicht. Darin geht es um Juni Lewitz, die unbedingt ein Star werden möchte, sich dann bei einer Casting-Show bewirbt und durch die Bekanntschaft mit Peter B. den Funken Hoffnung hat, doch noch berühmt zu werden. Wie kam es zu diesem Roman?“

Stefanie Kock: „Die Entstehung dieses Romans war ein langer Prozess. Das Schreiben hat mich nie losgelassen. Ich habe auch Songs geschrieben. Vieles, was Juli im Roman passiert, ist aus der Wirklichkeit eingeflossen, einiges davon auch komplett frei erfunden sowie einiges, was mir von anderen erzählt worden ist. In mir herrschte immer der Wunsch, zu schreiben, aber gleichzeitig hatte ich großen Respekt vor d e n Menschen, die ein Buch zu schreiben begonnen haben und dieses auch zur Vollendung gebracht haben.

Eines Tages griff ich zu dem Buch ‚Bridget Jones‘. Dieses Buch fand ich sehr amüsant, da ich der Meinung bin, dass die Engländer durchaus einen guten Humor haben. Das Schräge und Selbstironische, welches ich in der englischen Literatur festgestellt habe, suchte ich damals in der deutschen Literatur vergeblich, außer bei Loriot.

Nachdem ich den Kinofilm gesehen und das Buch gelesen hatte, kam in mir der Gedanke, dass ich auch in der Lage sei, so einen Roman selbst zu verfassen. Schnell bin ich aber zu der Erkenntnis gelangt, dass dies in der Realität schwer umzusetzen ist. Man benötigt, um solch ein Buch zu schreiben, eine gute Struktur, muss die Geschichte von Anfang bis Ende gut durchdenken, sehr viel überarbeiten, korrigieren, verbessern etc. Daher lag das Manuskript zunächst einige Zeit, inspiriert durch ‚Bridget Jones‘, in meinem Schrank. Plötzlich reifte in mir der Gedanke, es doch noch einmal zu wagen, das geschriebene Werk aus dem Schrank zu nehmen und von Neuem anzugehen. So habe ich mich entschlossen, sämtliches Material nochmals neu zu überarbeiten, was im Ganzen betrachtet ein Prozess von Jahren gewesen ist. Im Laufe dieses Prozesses bin ich immer mehr zu der Erkenntnis gekommen, dass das Ergebnis sich dahin entwickelt, etwas zu erlangen, auf dass man durchaus stolz sein kann, über das man sich freuen kann und mit dem man durchaus zufrieden sein kann.

Nach dieser Phase habe ich, zusammen mit einer Profi-Lektorin, dann intensiv an dem Werk gearbeitet, dem ganzen eine weitere Person gegeben und einiges dadurch für mich selbst gelernt.

Die grundsätzliche Rollengestaltung erbrachte ebenfalls einen großen Lerneffekt: Man muss sich bei den Rollen nämlich überlegen, wie man von A zu Z kommt. Welchen Weg werden die handelnden Personen beschreiten? Dies ist die gleiche Frage, die bei einer Handlung auf der Bühne, für die Gestaltung von Bühnenfiguren beantwortet werden muss.

Weiterhin ist es ein großer Erkenntnisgewinn, dass – ich schreibe nämlich gerne viel – man Dinge, die einfach unpassend sind, streichen muss.

Zur Rolle „Ana Conda“ im Musical „FALCO – Das Musical“

Popschlager Aktuell: „Seit 2017 spielt Du die Ana Conda, man kann sagen, den ‚dunklen Part‘ im Leben von Falco. Ist es Dir schwergefallen, Dich in die Rolle hineinzuversetzen, gerade unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Du und Alexander privat ein Paar seit“

Stefanie Kock: „Nein, denn das Spielen auf der Bühne ist wie eine Verabredung. Ich darf bei dieser ‚Verabredung‘ am Abend einfach böse sein. Dies ist meines Erachtens auch das Schöne daran. Ich finde es reizvoll, auf der Bühne, wo man manchmal schreiben oder brüllen muss, diese Vereinbarung zu genießen, zu wissen, dass ich nun böse sein darf. In diesem Moment, da es eine Vereinbarung ist, kann es durchaus angenommen und akzeptiert werden und ist es daher auch durchaus in Ordnung.

Außerdem ist es gut, solche Rollen spielen zu dürfen, denn dann erspart man sich die Streitereien im Privatleben. Man kann also auf der Bühne Situationen ausleben, und sich im Privatleben dann gut verstehen und gemeinsam glücklich sein!“.

Popschlager Aktuell: Liebe Stefanie, wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Dir für Deine vielfältigen Tätigkeiten alles Gute und weiterhin viel Erfolg.